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Meldungen aus dem Bezirksverband Köln-Aachen
Meldungen aus dem Bezirksverband Köln-Aachen

Zwischen Bunkerruinen, Waldwegen und Kriegsgeschichte

Wanderung im Hürtgenwald mit dem Volksbund und Liberation Route NRW

Hürtgenwald. Ein idyllisch gelegener Wanderparkplatz, ringsherum umstanden von hohen Nadelbäumen. Doch schon der Treffpunkt erweist sich als ehemaliger Standort eines Bunkers. Das teilt Volker Lossner all jenen mit, die für die Wanderung am Ochsenkopf-Petersberg angereist sind. Sogar aus Lüdenscheid und Solingen sind Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem 9. September 2026 in den Hürtgenwald gekommen. Insgesamt 25 Interessierte nehmen an der rund dreistündigen Veranstaltung teil, zu der der Landesverband NRW des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Kooperation mit Liberation Route NRW e.V. unter dem Titel „Die Kämpfe im Waldgebiet Ochsenkopf-Petersberg im Rahmen der Schlacht im Hürtgenwald 1944/1945“ eingeladen hatte. Die für Teilnehmende kostenfreie Führung findet als Teil der Veranstaltungsreihe “GE(H)DENKEN!” statt, die der Volksbund NRW seit 2022 jedes Jahr im September gestaltet.

Volker Lossner führt die Gruppe durch eines der geschichtsträchtigsten Waldgebiete der Region. Der zertifizierte History Guide, Hauptmann a.D. und ehemalige OSZE-Beobachter engagiert sich ehrenamtlich für die Liberation Route NRW und vermittelt den Teilnehmenden die Ereignisse der Kriegsjahre auf anschauliche Weise direkt am historischen Ort. Ein Ort, der noch viele Spuren des Krieges zeigt, auch wenn der Baumbestand seit dem Zweiten Weltkrieg mehrfach geerntet wurde, der Wald also anders aussieht als damals, unter anderem, weil zwischen den Bäumen heute auch das ein oder andere Windrad emporragt. 

Der Hürtgenwald als Herausforderung für die US-Armee

Bereits zu Beginn setzt Lossner die Kämpfe im Hürtgenwald in ihren militärhistorischen Zusammenhang. Die Wanderroute führt durch Gelände, das zwischen Oktober 1944 und Januar 1945 Schauplatz erbitterter Gefechte war. Dabei erläutert er die besonderen Rahmenbedingungen, die die Kämpfe im Hürtgenwald von den zuvor geführten Gefechten in Frankreich unterschieden.

Wie Lossner erklärt, profitierten die deutschen Truppen von vergleichsweise kurzen logistischen Wegen und waren durch die hohe Produktion der deutschen Kriegsindustrie gut ausgerüstet, während die US-amerikanischen Streitkräfte im Hürtgenwald auf erhebliche Schwierigkeiten stießen. Bewährte Verfahren der US-amerikanischen Kriegsführung, etwa die typische Abfolge von Luftangriffen, Artilleriebeschuss, Panzereinsatz und schließlich Infanterie, ließen sich im schwer zugänglichen und schlecht einsehbaren Waldgebiet nur eingeschränkt umsetzen.

Bunkeranlagen des Westwalls als Zeugnisse der Vergangenheit

Immer wieder lenkt Lossner den Blick auf Relikte der Vergangenheit aus Beton und Stahl, inzwischen sind sie an vielen Stellen überwachsen und fallen in der Waldlandschaft nicht sofort auf. Einen Schwerpunkt bildet die Geschichte des Westwalls. Die Teilnehmenden erfahren, dass dessen Bau zwischen 1936 und 1938 zwar militärische Ziele verfolgte, für viele Menschen in der Region aber auch eine Einnahmequelle darstellte.

An mehreren Stationen erläutert der Guide Aufbau und Funktion der einstigen Bunkeranlagen und liest aus Beschreibungen, wie an den Bunkern gekämpft wurde. Die meisten dieser Bauwerke wurden von den US-Truppen nach dem Ende der Kämpfe zunächst mit Wasser gefüllt und anschließend gesprengt, um eine weitere militärische Nutzung auszuschließen. Heute sind vielfach nur noch Geländespuren oder Trümmerreste sichtbar, die dennoch eindrucksvoll von der Vergangenheit zeugen.

 

Ort und Geschichte werden erfahrbar

Die Wanderung verbindet historische Informationen mit unmittelbaren Eindrücken der Landschaft und mitunter auch mit unterhaltsamen Anekdoten, etwa ein zynischer Bericht von Ernest Hemingway. Wer heute durch die ruhigen Waldabschnitte wandert, kann kaum erahnen, welchen Zerstörungen und Belastungen Menschen hier während der Wintermonate 1944 und 1945 ausgesetzt waren. Gerade dieser Kontrast zwischen heutiger Naturidylle und den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs macht die Führung für viele Teilnehmende besonders eindrucksvoll. 

Die Regenschirme werden geöffnet, prasselnd rauschender Regen begleitet die letzten Stationen. An einem Denkmal für den erst im Jahr 2000 gefundenen US-Soldaten Robert Cahow wird die heute immer noch aktuelle Suche nach Kriegstoten thematisiert, die auf deutscher Seite über den Volksbund erfolgt. Lossner beendet die Tour mit einem historischen Bericht, der die menschenverachtende Sinnlosigkeit der nationalsozialistischen Kriegsführung noch einmal deutlich vor Augen führt.

Von dieser Wanderung nehmen die Teilnehmenden nicht nur historische Einblicke mit nach Hause, sondern auch ein vertieftes Verständnis dafür, wie eng Landschaft, Erinnerungskultur und Geschichte im Hürtgenwald miteinander verbunden sind.

Text und Bilder: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V./Jasper Stephan-Beneker